Maibaum Tradition in Putzbrunn bei München in Bayern

Die Maibaum Tradition in Putzbrunn (Nähe München) wird aufrecht erhalten vom Burschenverein des Ortes

Maibaum Text von Thomas Messner, Bayerische Kultur - Bilder von Rolf Hicker




foto bayern brauchtum Über die Herkunft des Maibaumes gibt es widersprüchliche Thesen. Aber bereits in der Antike finden sich Zeugnisse, die auf ihn verweisen. Das Brauchtum des eigentlichen Maibaumes geht auf das 13. Jahrhundert zurück, als er sich zum Sinnbild der Zuversicht und Hoffnung auf eine glücksbringende, fruchtbare Frühjahr- und Sommerzeit entwickelte. Immer mehr wurde der Brauch gepflegt, sich einen heiligen Baum in die Dorfgemeinschaft zu holen, da er dort gleichsam aus nächster Nähe seine segensbringende Wirkung auf Menschen, Vieh, Felder und Gehöfte ausüben konnte. Als geeigneten Termin sah man den 1. Mai an, an dem die Natur ihr erstes Grün zeigte oder zumindest vorweisen sollte.

maibaum foto
Der Putzbrunner Maibaum ist fertig um aufgestellt zu werden. Tradition pur!

Wann in Putzbrunn zum erstenmal ein Maibaum aufgestellt wurde ist nicht bekannt. Laut Erzählungen stand bereits in den 20er-Jahren in Putzbrunn ein Maibaum, aber dazu kommen wir später. Wurden früher die Maibäume erst in der Walpurgisnacht (30. April) geschlagen, was in verschiedenen Gegenden heute noch der Fall ist, so wird in unserer Gemeinde bereits viel früher damit begonnen, sich mit dem alle fünf Jahre wiederkehrendem Brauchtum zu beschäftigen. Eine der Hauptaufgaben des Burschenvereins in Putzbrunn ist es, dieses Brauchtum zu erhalten und zu pflegen. foto bayerisches brauchtum Als erstes müssen die Verantwortlichen des Burschenvereins versuchen, jemand zu finden, der einen Baum spendet. Diesbezüglich hat es bisher keine Probleme gegeben. Bereits in der Zeit vor Weihnachten wird ein geeigneter Baum ausgesucht. Er muss besonders hoch und gerade gewachsen sein. Hat man den richtigen Baum gefunden wird er geschlagen.

Die Schwierigkeit des Fällens besteht darin, dass der Baum nicht beschädigt werden darf. Früher war diese Arbeit mit viel Schweiß verbunden, weil man als Hilfsmittel lediglich eine Axt und eine Handsäge zur Verfügung hatte. Heute wird hierfür eine Motorsäge verwendet. Noch im Wald wird der Stamm entrindet und dort gelagert, damit er noch etwas austrocknen kann. Sechs bis acht Wochen vor dem 1. Mai wird dann der neue Baum unter Beteiligung der Dorfgemeinschaft vom Wald zu einem geeigneten Lagerplatz transportiert. Dort muss er dann rund um die Uhr bewacht werden, denn nun darf laut Brauchtum der Baum gestohlen werden. Da es im Laufe der vielen Jahre immer zu Meinungsverschiedenheiten kam, wurden einige Spielregeln bezüglich des Maibaumstehlens aufgestellt.

    Die Regeln lauten (nicht vollständig) z. B.:

  • Diebe, die noch innerhalb der Gemeindegrenzen beim Abtransport überrascht werden, müssen ihre Beute zurückgeben.
  • Gewalt gegenüber Bewachern darf auf keinen Fall angewendet werden.
  • Wenn ein Bewacher die Hand auf den Baum legt, ist dieser tabu.
  • Der Baum darf nicht zersägt noch anderweitig beschädigt werden.
  • Ein Baum darf erst gestohlen werden, wenn er innerhalb des Ortes aufbewahrt wird.
  • Das Stehlen eines Maibaumes soll so gehandhabt werden, dass Polizei und Gericht nicht benötigt werden.

All diese Regeln sind dem Burschenverein bekannt, weil es auch ihm größtes Vergnügen bereitet, Ausschau zu halten, wo anderenorts ein Maibaum gestohlen werden kann. So wurde in den letzten Jahren, meist zusammen mit dem Burschenverein Harthausen, der Maibaum in Hohenbrunn, Höhenkirchen, der Baum vom Trachtenverein in Ebersberg, der Haidhauser Baum, der Baum vom Vikualienmarkt in München, der von den Truderinger Buam hergerichtet wurde, gestohlen. Mit über 100 Zentner war der Baum aus Trudering der wahrscheinlich schwerste. Die Auslöse, so verlangt es das Brauchtum, ist für jeden Dieb mindestens eine Brotzeit und Bier. Obwohl von anderen Burschenvereinen immer wieder Versuche unternommen wurden, in den Besitz des Stammes unserer Burschen zu kommen, war dieser bislang so gut bewacht, dass er vor Baumräubern sicher war.

foto brauchtum Im Wachlokal ist immer was los, selten sind die eingeteilten Wachen alleine, ob nun Spione kommen um zu erkunden, ob und wie der Baum gestohlen werden kann, oder auch andere Dorfbewohner, die noch schnell beim Maibaum vorbeischauen, es ist fast die ganze Nacht ein Mordsspektakel.

Es macht eine menge Arbeit den Baum für den 1.Mai herzurichten. Der Bast muss entfernt werden und das untere Ende zugeschnitten werden, damit er in die Schienen passt. Es wird gehobelt und geschliffen bis die Oberfläche schön glatt ist. Ist dies erledigt, wird der Baum weiß gestrichen. Anschließend werden Schnüre gespannt, um das Rautenmuster und den Schneck malen zu können. Dieses Schnüren ist eine besondere Kunst, sollen doch die Rauten gleich groß sein, und die Schneck sich gleichmäßig nach oben winden. Ebenso muss eine neue Fahne beschafft und genäht werden, auch hierbei kann sich der Burschenverein auf die Hilfe und Spendierfreudigkeit anderer verlassen. Die Mädchen sorgen nicht nur für das leibliche Wohl während der Arbeiten am Baum und bei der Wache, außerdem wird von ihnen geschickt der Kranz gebunden. Etliche hundert Eier, die später am Kranz hängen, müssen ausgeblasen werden. Um die nächsten schweren Tage überstehen zu können, wird zum großen Eieressen eingeladen.



Aus dünnen Birkenscheiben, versehen mit dem Stempel vom Burschenverein und einer weiß-blauen Kordel stellt man die Festzeichen her. Zuletzt wird noch die Halle, in der das Fest stattfinden soll ausgeräumt, sauber gemacht und geschmückt. Alle Vorbereitungen zum Aufstellen des Baumes sind nun getroffen. Der Verkehr wird von Polizei und Feuerwehr umgeleitet. Der Baum wurde bereits am Vormittag in die Ortsmitte gebracht, die benötigten Schwaiwerln liegen bereit. Jetzt kann es losgehen. Der Baum wird in die Schiene gefahren und die unterste Schraube in das bereits gebohrte Loch gesteckt. Eine Schiene für den Maibaum ist seit 1971 vorhanden. Im Gegensatz zu früher, als der Baum eingegraben wurde, ist dies eine wesentliche Erleichterung beim Aufstellen. Alle Helfer stehen bereit, jeder hat seinen Platz an den Schwaiwerln eingenommen. Endlich kommt der Ruf ,,Manna packt's 0, mitnand hau ruck". Die ersten Schwaiwerln werden unter den Baum gestellt. Immer wieder neue Kommandos, Ruck um Ruck hebt sich der Baum in die Höhe, immer wieder kommen neue Schwaiwerln zum Einsatz. Kurz bevor der Baum in der richtigen Stellung ist, wird es an den Schwaiwerln ganz schön eng. Es ist zwar eine arge Schinderei das Aufstellen, trotzdem macht es großen Spaß.

Hier geht es zum Teil 2 der bayerischen Maibaum Tradition in Putzbrunn bei München.